Gartenschätze: So schneiden Sie Bäume und Sträucher richtig
Einleitung
November 2026 Die Zeit ab Herbst ist ideal, um Bäume und Sträucher zu beschneiden. Aber worauf kommt es beim Griff zur Schere an? Wir erklären, wann welche Gehölze geschnitten werden und welches Werkzeug dafür zum Einsatz kommt.
Wenn große Äste oder Bäume weichen müssen nach oben
Wenn an Bäumen und Sträuchern größere Äste entfernt werden sollen oder die Fällung eines Gehölzes nötig ist, ist der Zeitraum von Oktober bis zum Frühjahr die beste Zeit dafür. Die Brutzeit der Vögel ist vorbei, die Gehölze sind laubfrei und befinden sich nicht in der Wachstumsphase. Für einen Rückschnitt sollten die Temperaturen jedoch nicht im Frostbereich liegen. Wenn Sie einen größeren Baum fällen müssen, sollten Sie die örtliche Baumschutzsatzung Ihrer Stadt oder Gemeinde beachten. Erlaubt sind Fällarbeiten von Oktober bis einschließlich Februar. Wer einen seit Jahrzehnten verwurzelten Großbaum im Garten hat, braucht dann meist einen Profi dafür.
Sind Sie versiert und vertraut mit Sägearbeiten, können Sie bei kleineren Bäumen selbst Hand anlegen. Ist der Schnitt einmal gesetzt, kommt es auf die richtige Nachsorge an. Wenn größere Äste ab einem Durchmesser von 2 cm abgeschnitten wurden, kann die Schnittstelle sofort nach dem Schnitt mit einem Wundverschlussmittel behandelt werden. Immer mehr Fachleute raten, nicht die gesamte Schnittfläche, sondern nur den äußeren Rand einzustreichen. Das Mittel soll verhindern, dass das empfindliche Teilungsgewebe (Kambium) eintrocknet. Bleibt dieses Gewebe feucht, setzt die Heilung schneller ein.

Außerdem ist es wichtig, den Schnitt so zu setzen, dass Wasser schnell abfließen kann und eine glatte, nicht ausgefranste Fläche entsteht. Gegebenenfalls muss der Rand mit einem scharfen Messer geglättet werden.
Für das Entfernen größerer Äste eignen sich Motor- oder Akku-Kettensägen, aber auch Handsägen. Achten Sie dabei auf ausreichende Schutzkleidung. Schnittschutzhandschuhe und -hosen sind ebenso sinnvoll wie eine Schutzbrille. Versuchen Sie möglichst vom Boden aus zu schneiden, um mit einer Kettensäge nicht auf eine möglicherweise kippelige Leiter steigen zu müssen. Eine Alternative sind kleine Kettensägen mit langem Stiel, auch Hochentaster genannt. Sie können eine große Hilfe sein, denn mit ihnen kann man vom Boden aus bis zu 20 cm dicke Äste in der Baumkrone absägen.
Bitte wenig schneiden! nach oben

Einige Sträucher und Bäume vertragen Rückschnitte nicht gut beziehungsweise verlieren durch das Beschneiden ihre malerische Wuchsform. Lassen Sie Zaubernuss, Ginkgo, Gold-Ulme, Zier-Ahorn-Sorten, Felsenbirne, Magnolie und Blumen-Hartriegel möglichst frei wachsen.
Tipp: Planen sie schon beim Pflanzen den Platzbedarf der ausgewachsenen Gehölze ein, damit ein Rückschnitt niemals durchgeführt werden muss.
Um diese Sträucher besser zu unterpflanzen und sie lichtdurchlässiger zu machen, kann man sie behutsam auslichten und ganz gezielt einzelne Zweige entfernen. Es ist sinnvoll, diesen Schnitt durchzuführen, wenn die Sträucher noch Blätter tragen, damit man die Wirkung des Schnitts besser erkennen kann und sieht, an welchen Stellen der Strauch noch mehr Durchlässigkeit braucht.
Besonders schön und edel wirken größere, mehrstämmige Sträucher, die im unteren Bereich aufgeastet wurden. Dann kann man auch durchaus Sitzplätze direkt neben dem Strauch einrichten und dort ganz bequem und gut geschützt den kühlen Schatten des Blätterdachs genießen.
Kugelbäume in Form bringen nach oben
Bäume wie die Kugel-Robinie, der Kugel-Trompetenbaum, der Kugel-Amberbaum oder der Kugel-Ahorn entwickeln zwar eine recht runde Krone, sollten jedoch regelmäßig in Form geschnitten werden, um die Größe zu regulieren. Alle zwei bis drei Jahre fällt in der Regel ein derartiger Formschnitt an. Sie können die Bäume vom Herbst bis zum Spätwinter schneiden. Ein Kugel-Ahorn sollte jedoch nicht später als Mitte Januar beschnitten werden, weil beim Ahorn der Austrieb mit einem hohen Saftdruck einhergeht. Die Schnittstellen würden stark „ausbluten“, wenn man zu spät, sprich schon während des Neuaustriebs, schneidet.


Bei allen Kugelbäumen werden die Triebe der Krone vehement gekürzt. Bei Kugel-Robinien können Sie sogar alle Triebe auf 20 bis 40 cm Länge einkürzen. Wenn man den Schnitt kurz oberhalb der vorherigen Schnittstelle ansetzt, bleiben die Schnittflächen recht klein und sind somit besser für die Pflanze.
Je nachdem wie dick die Äste sind, können Sie dafür Astscheren oder Gartenscheren verwenden. Für frische, grüne, lebende Triebe bieten sich Bypass-Astscheren an. Bei dieser Scherenart gleiten zwei Klingen aneinander vorbei, wie bei einer Haushaltsschere, und erzeugen einen glatten Schnitt. Der Ast wird nicht gequetscht. Wenn totes, hartes Holz entfernt werden muss, sind Amboss-Scheren die bessere Wahl. Bei dieser Scherenart drückt eine scharfe Klinge auf eine feste Unterlage, den Amboss. Man kann mit diesen Scheren kraftvoll schneiden, allerdings wird das Pflanzengewebe gequetscht.
Auch akkubetriebene Ast- und Gartenscheren können gute Dienste leisten, wenn kräfteschonend gearbeitet werden soll. Für hohe Gehölze können Sie Baumschneider verwenden, die mit einem drei bis sechs Meter langen (ausziehbaren) Stiel und speziellen Schneidmechanismus ausgestattet sind. Es gibt Modelle mit Seilzug oder mit modernen Rollen- und Flaschenzugsystemen. Beides funktioniert nach dem Prinzip: Zieht man unten am Seil beziehungsweise am verschiebbaren Griff, schließt sich oben die Klinge. Baumschneider gibt es mittlerweile auch als Akkugeräte.
Sträucher erneuern und formen nach oben
Im Gegensatz zu Bäumen müssen viele Gartensträucher öfter geschnitten werden. Mit einem Auslichtungsschnitt bringt man Blütensträucher wieder in Form, erhält sie blühfreudig und kann sie in Höhe und Breite einkürzen. Ein Auslichtungsschnitt kann, je nach Bedarf, alle zwei bis drei Jahre erfolgen.


Soll ein Strauch von Grund auf erneuert und revitalisiert werden, muss jedoch beherzter zur Schere gegriffen werden. Bei der Entfernung mehrerer Äste spricht man von einem Verjüngungsschnitt. Je nachdem wie dick die Zweige der Sträucher sind, eignen sich dazu Astscheren oder Gartenscheren. Für stärkere Äste ist der Einsatz einer Säge zu empfehlen. Hier eignet sich eine einfache Handsäge.
Verjüngungsschnitt nach oben
Durch diesen Schnitt werden Sträucher komplett neu aufgebaut. Altes, totes Holz und zu dicht stehende Äste werden entfernt. Dazu nehmen Sie alle Triebe bis auf 30 bis 50 cm über dem Boden zurück. Nur drei bis vier längere Triebe bleiben stehen, die zu neuen Haupttrieben werden. Diese radikale Schnittmaßnahme können Sie auch bei Frühlingsblühern wie Forsythien im Herbst oder Winter durchführen, denn im Folgejahr wird der Strauch sowieso noch nicht wieder blühen.

Im späten Winter oder zeitigem Frühjahr sollten Sie sommerblühende Sträucher wie Sommerflieder, Bartblumen, Säckelblumen, Garten-Eibisch, Rispen- und Ball-Hortensien wie die beliebte Sorte ‘Annabelle’ auf eine Höhe von 30 bis 40 cm über dem Boden zurückschneiden. Die Sträucher bilden noch im selben Jahr neue Triebe mit vielen Blütenknospen. Sie blühen am neuen (einjährigen) Holz – so heißt es im Fachjargon. Nach einem Rückschnitt zu Beginn des Jahres blühen die Sträucher im Sommer desselben Jahres umso intensiver.
Eine besondere Form des Verjüngungsschnitts ist das so genannte „Auf den Stock setzen“. Bei diesem Schnitt werden alle Triebe bis auf eine Länge von 20 cm über dem Boden zurückgeschnitten. Es müssen keine Blätter mehr übrig bleiben. Aber Vorsicht: Das halten nicht alle Sträucher aus. Unter den Immergrünen können Rhododendren, Eiben und Kirschlorbeer so radikal eingekürzt werden. Außerdem vertragen alle basis- oder mittenbetont wachsenden Sträucher wie Forsythien, Deutzien, Pfeifenstrauch, Spindelstrauch, Berberitzen und Weidenarten das radikale Kappen. Wenn nötig, kommen auch Hainbuchen, Feld-Ahorn, Mahonien und Kletter-Hortensien mit dieser Maßnahme zurecht.
Auslichtungsschnitt nach oben

Ein Auslichtungsschnitt soll in erster Linie die Blühfreudigkeit von frühjahrs- und sommerblühenden Sträuchern erhalten. Zu diesen Sträuchern, die direkt nach der Blüte ausgelichtet werden, zählen zum Beispiel Forsythien, Weigelien, Flieder, Deutzien, Kolkwitzien und Zier-Johannisbeeren.
Man schneidet die Sträucher direkt nach der Blüte, weil sich gleich danach die neuen Triebe bilden, an denen die Sträucher im nächsten Jahr Knospen ansetzen und blühen. Sträucher blühen am alten (mehrjährigen) Holz – „Altholzblüher“, so nennt man diese Blühart im gärtnerischen Fachjargon. Für einen Auslichtungsschnitt, der auch Erhaltungsschnitt genannt wird, werden alle zwei bis drei Jahre direkt nach der Blüte die ältesten Triebe am Boden entfernt. Neue lange, unverzweigte Triebe werden um ein Drittel oder zwei Drittel eingekürzt. Triebe, die ins Strauchinnere wachsen, werden abgeschnitten. Keinesfalls sollten alle Triebe auf eine Höhe eingekürzt werden. Die natürliche Wuchsform des Strauchs sollte erhalten bleiben.

Vermeiden Sie an Astgabeln zu schneiden, an denen bereits in den vorherigen Jahren geschnitten wurde. Ansonsten treibt der Strauch dann immer wieder an derselben Stelle aus und es bilden sich unschöne Verdickungen. Schneiden Sie lieber oberhalb oder unterhalb der alten Schnittstellen. Achten Sie beim Schneiden darauf, keine Aststummel stehen zu lassen, sondern schneiden Sie direkt am Stamm beziehungsweise am Haupttrieb.

Außerdem sollte man stets kurz oberhalb eines schlafenden Auges, das nach außen und nicht ins Strauchinnere zeigt, schneiden. Auge nennt man im gärtnerischen Fachjargon die Stelle, aus der ein neuer Ast oder ein Blatt sprießt. Mit dieser Technik bleibt der Strauch nicht nur gesund, sondern auch über Jahre hinweg schön in Form.