Besondere Kohlsorten: Vergessen und neu entdeckt
Einleitung
Juni 2026 Was wäre die Welt ohne die zahlreichen Kohlsorten? Das schmackhafte und gesunde Gemüse ist in fast jeder Kultur der gemäßigten Zonen zuhause – und die Auswahl ist riesig. Hier stellen wir einige ausgefallenere Kohlarten vor, die das Ausprobieren lohnen. Noch können Sie diese für die Herbsternte säen oder pflanzen.
Butterkohl – ideal für Dauerernten nach oben

Eine Rarität im Kohlsortiment ist der Butterkohl, der früher vor allem in Mitteldeutschland und Italien weit verbreitet war. Er ähnelt mit seinen gewellten, zarten Blättern dem Wirsing, bildet jedoch keinen fest geschlossenen, sondern einen eher offenen Kopf. Wer jetzt Jungpflanzen setzt, kann im Herbst ernten; bei Aussaat erst im Spätherbst und Winter. Die Köpfe lassen sich ganz abschneiden und wie Wirsing verwenden.
Besonders praktisch ist jedoch die Ernte Blatt für Blatt: Ähnlich wie beim Pflücksalat wachsen aus dem Herzen immer wieder neue nach. Einmal pflanzen, laufend ernten – das macht den Butterkohl besonders interessant für kleine Haushalte und Gärten, aber auch für Misch- und Hochbeete. Saatgut ist wieder erhältlich, zum Beispiel bei Dreschflegel (https://dreschflegel-saatgut.de) oder von Hof Jeebel (https://biogartenversand.de).
Mehrjähriger Meerkohl nach oben

In Deutschland ist dieses attraktive Kohlgewächs (Crambe maritima) fast vergessen. Die winterharte Staude wächst wild an den Küsten der Nordsee – etwa auf Helgoland – und der schwedischen Ostsee. Besonders in England ist Meerkohl bis heute beliebt; dort wurden sogar eigens Treibglocken aus Ton entwickelt, um im Frühling zarte, gebleichte Triebe zu ernten. Diese lassen sich wie Spargel oder Brokkoli zubereiten. Ab Mai erscheinen reinweiße Blüten, die zusammen mit den blaugrünen Blättern einen hohen Zierwert haben.
Meerkohl gedeiht an sonnigen bis halbschattigen Standorten auf humosen, nicht zu trockenen Böden – besonders gut in Lehm. Pflanzen sind bei den meisten Staudengärtnereien erhältlich, online auch bei der Baumschule Horstmann (baumschule-horstmann.de) oder bei Rühlemann’s (kraeuterund-duftpflanzen.de). Der ideale Pflanzabstand beträgt 40 × 40 cm. Zum Ernten der gebleichten Triebe können Sie die Pflanzen anhäufeln oder – ähnlich wie Rhabarber – unter einem Eimer oder Tongefäß antreiben.
Toskanischer Palmkohl nach oben

Eine besondere Schönheit im Gemüsebeet ist der populär gewordene italienische Palmkohl ‘Nero precoce di Toscana’ aus der Gegend um Florenz. Er trägt schwarzgrüne, dicke Blätter, die vom Aussehen her an Grünkohl erinnern. Das edle, bis zu 70 cm hohe Gemüse ist eine stolze Erscheinung. Die zungenförmigen Blätter entfalten sich mit einer Eleganz, die an schwarze Schwäne erinnert. Die Pflanzen überstehen kurze Frostphasen und passen ins Gemüsebeet, aber auch in Blumenrabatten und als schmückende Einzelexemplare in Kübel oder Gefäße. Sie können diese auch mit Sommerblumen unterpflanzen, das unterstreicht ihre dekorative Erscheinung. Noch ist Zeit, den Palmkohl in Töpfe oder direkt ins Beet in nährstoffreiche Erde auszusäen. Geerntet wird im Spätherbst, wobei Sie die Blätter je nach Bedarf einzeln vom Stiel abschneiden und wie Grünkohl zum Einkochen oder als Beilagengemüse verwenden können. Ihr Geschmack ist etwas milder und erinnert an Brokkoli.
Roter Grünkohl ‘Redbor’ ziert bis zum Frühjahr nach oben

Natürlich kann man ihn essen – doch dafür ist der violettrote Grünkohl ‘Redbor’ (von Volmary) mit seinem palmenartigen Wuchs eigentlich zu schade. Er ist eine prachtvolle Erscheinung, die ab Spätsommer bis lange in den Winter sowohl Beete als auch Blumenrabatten, Balkonkästen, Gefäße und Gartenwege ziert. Mit Schneehauben dekoriert, verleiht das auffallende Gemüse dem winterlichen Garten selbst dann noch einen Blickfang, wenn sich alle anderen Pflanzen längst dem Frost gebeugt haben. Die Pflanzen mit den stark gekrausten, vitaminreichen Blättern bringen hohen Ertrag und liefern ab Spätherbst im Kochtopf ein deftiges, wohlschmeckendes Gemüse. Aussaatzeit ist noch bis Ende Juni.
Sprossen-Brokkoli in Purpur nach oben

Eine außergewöhnliche Variante des altvertrauten Brokkolis ist der neue Sprossen-Brokkoli ‘Burgundy’ (von Kiepenkerl). Die Sorte sticht durch ihre purpurviolette Farbe heraus, die auch beim Kochen erhalten bleibt. Die Brokkoliröschen sind etwas kleiner als bei anderen Sorten, haben dafür aber viele kurze Blütenzweige – das macht sie zu einem besonders dekorativen Beilagengemüse mit feinem, mild-süßem Geschmack.
Sprossenbrokkoli ist eine winterharte Kultur, die im Sommer ausgesät und erst im darauffolgenden Frühjahr geerntet wird. Von Mitte April bis Mitte Juni kann direkt ins Freiland gesät werden. Ideal ist ein sonniger Platz. Die Ernte erfolgt bis in den späten Herbst hinein.
Tipp: Sprossenbrokkoli kann mehrfach im Jahr geerntet werden und hat dadurch eine sehr hohe Ertragsfähigkeit.
Asiatischer Kohl nach oben

Nicht nur in Europa sondern vor allem in Asien dienen einige Arten (wie der Chinakohl) als gesund erhaltendes Grundnahrungsmittel. Andere (wie der Senfkohl) werden wegen ihres pikanten Geschmacks geschätzt. Dieser beruht auf seinem Gehalt an Senfölglykosiden, denen keimtötende Eigenschaften (zum Beispiel gegen Erkältungen) zugeschrieben werden.
Chinakohl (Brassica rapa ssp. pekinensis) zeichnet sich durch einen milden Geschmack, viele Ballaststoffe und wenige Kalorien aus. Während er in Fernost meist gekocht und in Brühe gedünstet wird, hat sich bei uns mehr die Verwendung als schnell angerichteter, haltbarer Salat durchgesetzt.
Der Japanische Senfkohl (Brassica rapa ssp. nipposinica) schmeckt pikant und kräftig nach Senf; im Jugendstadium ist er milder. Besonders attraktiv ist die rote Sorte ‘Red Giant’.
Pak Choi, der Chinesische Senfkohl (Brassica rapa ssp. chinensis) schmeckt ausgesprochen mild. In der Kultur entspricht er dem Chinakohl. Gedünstet gegessen werden vor allem die zarten, saftigen Stiele.
Die Hauptaussaatzeit für Chinakohl und Pak Choi ist von Ende Juni bis Anfang August. Wer früher aussät, braucht warme Anzuchttemperaturen über 18 °C, ansonsten ist mit Blüten zu rechnen. Japanischen Senfkohl können Sie in Frühbeeten und im Gewächshaus auch ganzjährig anbauen. Besonders praktisch sind Mischungen wie die Asia-Salatmischung ‘Asia Spicy Green’ (von Sperli), die gleich drei verschiedene Sorten, darunter auch den Japanischen Senfkohl, bereithalten.
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