Renovierung & Sanierung: Wohngesund renovieren: Schöner wohnen ohne Schadstoffe
Einleitung
Januar 2026 Wohngesund renovieren heißt: Schadstoffe meiden, natürliche Materialien wählen und für ein gesundes Raumklima sorgen. Denn wer streicht, dämmt oder den Boden erneuert, beeinflusst damit auch seine Atemluft – und damit Gesundheit und Wohlbefinden. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Ihr Zuhause mit emissionsarmen Baustoffen nachhaltig und gesundheitsbewusst gestalten – von Farben über Bodenbeläge bis zu Wandmaterialien.

Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Infekte, Allergien oder Asthma können durch Bauprodukte ausgelöst werden. Wir verbringen bis zu 90 Prozent unseres Lebens in geschlossenen Räumen und machen darin täglich rund 20.000 Atemzüge. Da wird schnell klar, dass die Baumaterialien, die uns umgeben, gesundheitlich für uns wichtig sind. Rund ein Drittel aller Europäerinnen und Europäer leiden unter Allergien oder Asthma, oft ausgelöst oder verschlimmert durch Schadstoffe in der Raumluft. Wohngesundheit bedeutet also weit mehr als Komfort: Sie ist eine zentrale Voraussetzung für Lebensqualität und langfristiges Wohlbefinden.
Wenn wir renovieren, wollen wir uns danach in den Räumen wohlfühlen. Doch manchmal bleibt trotz frischer Farbe und einem neuen Bodenbelag ein ungutes Gefühl zurück: Die Luft wirkt schwer, es riecht künstlich oder die Augen tränen. Schadstoffe, die aus Farben, Klebern oder Böden ausdünsten sind die Ursache. Wie gut, dass sich immer mehr Baufamilien und Renovierende dafür interessieren, welche Stoffe sie in ihr Zuhause holen. Umweltfreundliche Materialien regulieren die Luftfeuchtigkeit, speichern Wärme, verhindern Schimmelbildung und schaffen ein ausgewogenes Raumklima.
Holzfußboden statt Teppich nach oben
Holz als nachwachsender Rohstoff überzeugt nicht nur durch seine natürliche Optik, sondern auch durch Langlebigkeit und ein gesundes Raumklima. Massivholzdielen und Parkett sind äußerst robust – und sie lassen sich bei Abnutzung renovieren, statt komplett ausgetauscht zu werden, das spart Kosten und schont Ressourcen.


Nach dem Abschleifen der Oberfläche kann der Boden individuell gestaltet und gleichzeitig geschützt werden. Öl-Beizen ermöglichen transparente oder intensive Farbtöne, die gleichmäßig in Holzmaserrichtung aufgetragen werden. Der abschließende Anstrich mit Hartwachs-Öl auf Basis pflanzlicher Öle und Wachse sorgt für eine abriebfeste, wasserabweisende und pflegeleichte Oberfläche, die das Holz atmen lässt und das Raumklima positiv unterstützt. Renovierte Holzfußböden bleiben so nicht nur optisch ansprechend, sondern auch ökologisch nachhaltig nutzbar.


Der Bodenbelag nach oben

Der Boden gehört zu den größten Flächen im Haus und prägt das Raumklima entscheidend. Holz ist dabei der unangefochtene Klassiker. Es wirkt warm, reguliert die Luftfeuchtigkeit und schafft natürliche Gemütlichkeit. Besonders beliebt sind Eiche, Buche und Nussbaum, aber auch Esche oder Ahorn. Wichtig ist, dass das Holz aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft stammt. Die FSC- oder PEFC-Zertifikate bieten hier Sicherheit. Echtholzparkett oder Dielenböden sind langlebig, reparierbar und mehrfach abschleifbar. Eine geölte oder gewachste Oberfläche unterstützt die Feuchtigkeitsregulierung. Versiegelte Böden mit Kunstharzlacken dagegen verschließen die Poren und können Emissionen freisetzen.
Kork kann für Dach, Decken und Wände in Form von Korkdämmplatten verwendet werden, als Füllmaterial für Deckenhohlräume oder als Bodenbelag. Kork wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen, ohne den Baum zu fällen. Nach einigen Jahren wächst die Rinde nach, was Kork zu einem regenerativen Rohstoff macht. Der elastische Bodenbelag ist gelenkschonend, fußwarm, verbessert die Raumakustik und kommt ganz ohne Weichmacher aus – ideal auch für Allergiker. Nachteil: Das Material ist kein heimischer Rohstoff und hat dadurch lange Transportwege. Achten Sie bei der Auswahl auf das Kork-Logo des Deutschen Korkverbandes (kork.de).

Auch keramische Fliesen überzeugen mit ökologischer Langlebigkeit. Sie bestehen aus natürlichen Rohstoffen wie Ton und Feldspat, sind emissionsfrei, pflegeleicht und nahezu unbegrenzt haltbar. Wichtig ist, bei der Verlegung schadstoffarme Kleber und Fugenmassen zu verwenden, um die gute Bilanz zu bewahren.

Für Hausstauballergiker sind regelmäßig und gut gereinigte Teppichböden oft besser geeignet als glatte Bodenbeläge. Schurwolle, Ziegenhaar oder Sisal filtern Feinstaub und schaffen ein warmes, gemütliches Ambiente. Ein Teppichboden reduziert nicht nur den Trittschall, sondern dämpft auch alle anderen Geräusche. Den flauschigen Bodenbelag gibt es in einer breiten Auswahl an Florarten, Farben und Mustern – je nach Geschmack und Einrichtungsstil. Das „GUT-Signet“ kennzeichnet Teppiche, die auf Schadstoffe geprüft sind.
Wohngesunde Dämmung für den Boden nach oben

Bei mineralischen Untergründen wie Estrich oder Beton ist die Verlegung einer Dampfsperrfolie unter dem neuen Boden aus Laminat oder Parkett notwendig, die verhindert, dass Feuchtigkeit vom Untergrund in den Bodenbelag eindringen kann und ihn aufquellen lässt.
Wohngesunde Varianten aus Holzfaser wie die Faserdämmplatte Logoclic „Eco Wood“ haben einen guten ökologischen Fußabdruck: Die Holzfasern stammen aus renaturiertem Abbau, wodurch die Dämmunterlage besonders umweltfreundlich und leicht zu recyceln ist. Sie ist emissionsarm, frei von Lösemitteln und Weichmachern, gleicht Unebenheiten bis 3 mm aus und besitzt eine gute Wärmedämmung sowie hohe Druckstabilität (erhältlich bei BAUHAUS).
An der Wand nach oben
Wände bestimmen nicht nur das Raumgefühl, sondern auch die Qualität der Luft. Besonders sinnvoll ist es, auf Systeme und Produkte eines Herstellers zu setzen, um Wechselwirkungen von Inhaltsstoffen zu vermeiden. Trockenbauplatten aus Gips bieten gute Schall- und Brandschutzeigenschaften und sind einfach zu verarbeiten. Durch ihre feinporige Struktur nehmen sie Feuchtigkeit auf und geben sie langsam wieder ab. Wichtig ist, dass imprägnierte Gipskartonplatten nur dort eingesetzt werden, wo sie wirklich erforderlich sind, etwa im Badezimmer. Feucht gewordene Platten sind auszutauschen, um Schimmelbildung vorzubeugen.

Traditionelle Wandputze aus Lehm oder Kalk zählen zu den ältesten Baustoffen der Welt und sind aktueller denn je. Sie nehmen Feuchtigkeit auf, geben sie wieder ab und tragen so zu einem konstanten Raumklima bei. Lehm bindet Gerüche und Schadstoffe, wirkt antistatisch und schafft ein angenehmes Raumgefühl. Kalkputz wirkt durch seine Alkalität natürlich schimmelhemmend und ist ideal für Feuchträume oder Keller.

Beim Anstrich lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Konventionelle und sehr günstige Dispersionsfarben können häufig Bindemittel auf Erdölbasis enthalten. Wer konsequent wohngesund renovieren will, greift zu Naturfarben auf Basis von Leinöl, Kreide, Bienenwachs oder mineralischen Pigmenten. Lehmfarben erzeugen matte, erdige Oberflächen, Kalkfarben wirken antibakteriell, Kaseinfarben sind feuchtigkeitsregulierend und Silikatfarben besonders langlebig. Fachberater im ökologischen Baustoffhandel helfen bei der Auswahl.
Auch Tapeten gibt es in umweltfreundlicher Form, etwa aus Recyclingpapier oder Zellstofffasern ohne PVC. Raufaser- und Vliestapeten lassen sich mehrfach überstreichen und bleiben so über viele Jahre attraktiv. Wichtig: Warten Sie einige Tage, bevor Sie Ihre Möbel vor die Wände stellen und lassen Sie immer einige Zentimeter Luft zwischen Wand und größeren Möbelstücken, besonders an Außenwänden.
Giftstoffe im Altbau? nach oben
Wer beim Renovieren einen Altbau modernisiert, sollte mögliche alte Schadstoffe nicht übersehen: In vielen Gebäuden, die bis in die 1990er-Jahre errichtet wurden, stecken Materialien, die heute als gesundheitsgefährdend gelten, beispielsweise Asbest, PCP oder Formaldehyd. Das Baujahr liefert erste Hinweise darauf, welche Stoffe verbaut sein könnten. Alte Baupläne oder Rechnungen geben zusätzliche Anhaltspunkte.
Asbest wurde jahrzehntelang in Dachplatten, Bodenbelägen oder Fassaden eingesetzt, ebenso wie formaldehydhaltige Spanplatten. Fachleute schätzen, dass in Deutschland noch immer Millionen Gebäude mit Asbest belastet sind. Verdächtige Materialien sollten unbedingt von Fachbetrieben geprüft und entfernt werden und zwar ausschließlich durch zertifizierte Unternehmen. Eine schriftliche Bestätigung der fachgerechten Entsorgung schützt vor späteren Problemen. Auch das Budget sollte diesen Punkt berücksichtigen: Die Entfernung belasteter Baustoffe kann mehrere tausend Euro kosten. Glas- oder Mineralwolle mit Formaldehydanteil muss zudem luftdicht verpackt und als Sondermüll entsorgt werden. Wer gesund wohnen möchte, sollte daher auf Nummer sicher gehen: Fachbetriebe, Baubiologen und spezialisierte Labore helfen, Schadstoffquellen zu erkennen und dauerhaft zu beseitigen.
Beratung und Orientierung nach oben
Viele Baustoffe enthalten Schadstoffe wie Formaldehyd oder Weichmacher, die lange ausgasen. Zertifizierungen wie Blauer Engel, natureplus oder das EU-Ecolabel kennzeichnen emissionsarme Produkte. Der ökologische Baustoffhandel, Verbände wie ÖkoPlus, FNR oder das Sentinel Haus Institut sowie Baubiologinnen und Architekten bieten Orientierung. Mit guter Planung gelingt eine gesunde, nachhaltige Renovierung für ein Zuhause zum Durchatmen.
Kurz gefragt: Gesund renovieren nach oben

Das Sentinel Holding Institut wurde 2008 gegründet und setzt sich für messbares, nachhaltiges und schadstoffgeprüftes Bauen ein. Mit der SHI-Datenbank bietet das SHI eine zentrale Plattform für alle am Bau Beteiligten an. Wir sprachen darüber mit Ralf Kärger, Geschäftsführer der Sentinel Holding Institut.
Familienheim und Garten: Viele Menschen achten beim Renovieren auf Optik und Preis: Warum ist es ebenso wichtig, auf wohn-gesunde Materialien zu setzen?
Ralf Kärger: Optik und Preis sind wichtige Kriterien, keine Frage. Aber: Wer hier unbedacht Materialien mit problematischen Inhaltsstoffen einsetzt, riskiert gesundheitliche Belastungen: von Reizungen der Atemwege bis hin zu langfristigen Auswirkungen.
Welche Materialien oder Baustoffe empfehlen Sie besonders, wenn man Schadstoffe vermeiden und ein gesundes Raumklima schaffen möchte?
Entscheidend sind emissionsarme und geprüfte, geeignete wohngesundheitliche Bauprodukte. Wichtig ist dabei: Nicht nur das Einzelprodukt zählt, sondern das Zusammenspiel aller eingesetzten Materialien sowie ihre fachgerechte Verarbeitung.
Eine verlässliche Orientierung bietet die SHI-Datenbank. (www.sentinel-holding.eu/de). Dort finden Sie über 46.000 geprüfte Bauprodukte, die speziell im Hinblick auf Wohn-gesundheit und Nachhaltigkeit bewertet wurden – inklusive klarer Angaben zu Emissionen, Inhaltsstoffen und Nachweisdokumenten. Die Nutzung ist kostenlos und ohne Registrierung möglich.
Besonders hilfreich ist zudem der SHI-Produktpass: Er zeigt auf einen Blick, welche Produktqualitäten dokumentiert vorliegen, zum Beispiel auch, ob ein Produkt QNG-ready ist. Das bedeutet: Die Anforderungen an eine förderfähige Bauweise nach dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) sind erfüllt. Damit wird der SHI-Produktpass zu einem zentralen Werkzeug für alle, die gesund, nach-haltig und förderfähig bauen möchten, sei es im privaten Wohnbau oder im Rahmen von KfW-geförderten Projekten.
Woran erkennen Verbraucherinnen und Verbraucher, ob ein Produkt wirklich wohn-gesund ist und welchen Kennzeichnungen kann man vertrauen?
Verlässliche Orientierung bieten transparente und nach-vollziehbare Nachweise, nicht bloße Werbeversprechen. Im SHI-Produktpass finden Sie dazu die eine strukturierte Übersicht.